VDI 3805 schafft eine einheitliche Grundlage für den digitalen Austausch technischer Produktdaten in der TGA. Die Richtlinienreihe beschreibt Merkmale, Geometrien, Kennlinien und Auswahlparameter für definierte Produktgruppen. Im BIM-Prozess werden diese Informationen mit den Vorgaben der VDI 2552 verknüpft. Entscheidend ist dabei nicht die Menge der Daten, sondern ihre eindeutige Zuordnung zum Planungsstand, zum Berechnungspunkt und zum jeweiligen Bauteil. So lassen sich Auswahl, Berechnung, Koordination und Dokumentation konsistenter bearbeiten.
- VDI 3805 liefert strukturierte Produktdaten, ersetzt aber keine Fachberechnung.
- VDI 2552 ordnet Produktdaten in Rollen, Prozesse und Austauschzeitpunkte ein.
- Leistungswerte sind nur zusammen mit Betriebspunkt und Einheit eindeutig.
- Berechnete Sollwerte und konkrete Herstellerdaten müssen getrennt bleiben.
- Automatische Prüfregeln benötigen stets eine fachtechnische Plausibilitätskontrolle.
Aufgabe und Abgrenzung der VDI 3805
Die Richtlinienreihe VDI 3805 behandelt den elektronischen Produktdatenaustausch in der Technischen Gebäudeausrüstung. VDI 3805 Blatt 1 enthält die grundlegende Methodik; weitere Blätter konkretisieren Produktgruppen. Beschrieben werden unter anderem technische Merkmale, Abmessungen, Anschlüsse, Kennlinien, Einsatzgrenzen und gegebenenfalls Rechenverfahren. Ein Datensatz kann beispielsweise Nennweite DN 50, Nenndruck PN 16, zulässige Medientemperaturen, Druckverlustwerte und geometrische Anschlussmaße enthalten. Maßgebend ist stets der aktuelle Ausgabestand des betreffenden Blattes.
Ein VDI-3805-Datensatz ist nicht automatisch ein vollständiges BIM-Objekt. Für die Modellnutzung werden zusätzlich Klassifikation, räumliche Zuordnung, Systembezug, Status und Austauschformat benötigt. Ebenso ersetzt die Richtlinie weder eine hydraulische Berechnung noch die fachtechnische Produktauswahl. Sie stellt strukturierte Eingangsdaten bereit, aus denen Planungssoftware geeignete Produkte ermitteln oder Bauteilparameter übernehmen kann. Die Verknüpfung mit IFC-Klassen, Property Sets oder softwarespezifischen Familien erfordert deshalb eine dokumentierte Zuordnung der Merkmale.
Welche Produktinformationen planungsrelevant sind
Für Berechnungen genügen Bauteilname und 3D-Geometrie nicht. Benötigt werden belastbare Leistungsdaten am jeweiligen Betriebspunkt. Bei Pumpen gehören hierzu Volumenstrom, Förderhöhe, Wirkungsgrad, Leistungsaufnahme und Regelbereich. Ventile benötigen beispielsweise Kvs-Wert, Nennweite, Druckstufe und zulässigen Differenzdruck. Für Wärmeübertrager sind Leistung, Primär- und Sekundärtemperaturen sowie Druckverluste entscheidend. Angaben wie 120 kW Leistung sind ohne zugehörige Temperatursätze, etwa 70/50 °C und 45/35 °C, fachlich nicht eindeutig.
Geometrische Informationen müssen den jeweiligen Anwendungsfall unterstützen. Für die Kollisionsprüfung sind Außenabmessungen, Anschlusslagen, Wartungsräume und Demontagewege wichtiger als eine detaillierte Darstellung von Schrauben oder Gehäusesicken. Ein unnötig hoher Geometriegrad vergrößert Modelle und erschwert die Bearbeitung. Technische und geometrische Daten sollten deshalb getrennt bewertet werden. Für eine belastbare Übergabe sind mindestens folgende Informationsgruppen sinnvoll:
- eindeutige Produkt- und Datensatzkennung einschließlich Revisionsstand
- technische Auslegungswerte mit Einheit und Bezugspunkt
- Abmessungen, Anschlüsse und erforderliche Wartungsflächen
- Einsatzgrenzen für Druck, Temperatur und Medium
- Zuordnung zu System, Raum, Anlage und BIM-Klassifikation
TGA Fachplaner für Ihr Projekt
Heizung, Sanitär und Lüftung nach HOAI LPH 1 bis 9, als DWG oder BIM-Modell.
VDI 3805 mit VDI 2552 verbinden
VDI 3805 strukturiert die produktspezifischen Informationen, während VDI 2552 den BIM-Prozess, die Rollen und den Informationsaustausch behandelt. Die Auftraggeber-Informations-Anforderungen und der BIM-Abwicklungsplan sollten festlegen, wann konkrete Produktdaten benötigt werden. VDI 2552 Blatt 10 behandelt AIA und BAP; VDI 2552 Blatt 4 adressiert Anforderungen an den Datenaustausch. Für jedes Austauschereignis sind Zweck, Verantwortlichkeit, Prüfregel, Format und erforderliche Informationstiefe zu definieren. Ein pauschaler Verweis auf „BIM-fähige Produktdaten“ genügt nicht.
In frühen Planungsphasen reichen häufig herstellerneutrale Leistungsmerkmale, beispielsweise 8.000 m³/h Luftvolumenstrom, 450 Pa externe Druckerhöhung und eine definierte Wärmerückgewinnung. Nach Ausschreibung und Vergabe können konkrete Abmessungen, elektrische Anschlusswerte und Wartungsflächen ergänzt werden. Dadurch bleibt die Planung zunächst produktneutral, ohne den späteren Datenaustausch zu behindern. Wichtig ist eine eindeutige Regel, welche Parameter überschrieben werden dürfen und welche Berechnungsergebnisse als führende Planungswerte erhalten bleiben.
Produktdaten für Berechnung und Auswahl einsetzen
Der praktische Nutzen entsteht durch die Verbindung von Berechnungsmodell und Produktdatensatz. Ergibt die Rohrnetzberechnung für eine Pumpe einen Betriebspunkt von 6,0 m³/h bei 45 kPa, kann die Software geeignete Kennlinien vergleichen. Ein projektbezogener Auswahlkorridor von beispielsweise ±5 % für Volumenstrom und Förderdruck kann als Prüfregel hinterlegt werden. Dieser Wert ist keine allgemeine Vorgabe der VDI 3805, sondern muss anhand von Regelbarkeit, Anlagenkennlinie, Teillastverhalten und erforderlichen Reserven festgelegt werden.
Nach der Auswahl sollten nur freigegebene Werte in das BIM-Modell übernommen werden. Dazu gehören beispielsweise Baulänge, Anschlussnennweite, elektrische Leistungsaufnahme und Schalldaten. Berechnete Sollwerte und Herstellerdaten müssen getrennte Parameter behalten. Andernfalls kann eine spätere Produktaktualisierung den berechneten Betriebspunkt unbeabsichtigt verändern. Sinnvoll sind Statusangaben wie „berechnet“, „ausgeschrieben“, „angeboten“, „freigegeben“ und „eingebaut“. So bleibt nachvollziehbar, ob ein Parameter aus der Fachplanung, aus einem Angebot oder aus der Bestandsdokumentation stammt.
Datenqualität und Modellprüfung sicherstellen
Produktdaten sind vor der Übernahme fachlich und formal zu prüfen. Erforderlich sind eindeutige Einheiten, gültige Wertebereiche, vollständige Anschlussdaten und ein nachvollziehbarer Revisionsstand. Ein Druckverlustwert von 18 ist ohne Einheit unbrauchbar; 18 kPa und 18 Pa führen zu grundlegend unterschiedlichen Ergebnissen. Ebenso müssen Leistungen immer dem Betriebspunkt zugeordnet sein. Bei Temperaturangaben sollte erkennbar sein, ob es sich um Mediumtemperatur, Umgebungstemperatur, Vorlauf, Rücklauf oder eine zulässige Grenztemperatur handelt.
Die Modellprüfung sollte automatisierbare Regeln und eine fachtechnische Plausibilitätskontrolle kombinieren. Regelbasierte Prüfungen finden fehlende Werte oder unzulässige Einheiten, bewerten aber nicht automatisch die Eignung eines Produkts. Eine formal vollständige Pumpe kann hydraulisch dennoch ungeeignet sein. Für zentrale Übergabestände sind mindestens folgende Kontrollen zweckmäßig:
- Pflichtparameter auf Vollständigkeit und Datentyp prüfen
- Einheiten auf SI-Bezug und vereinbarte Schreibweise kontrollieren
- Betriebspunkte mit Berechnungsergebnissen vergleichen
- Anschlussmaße und Wartungsräume geometrisch prüfen
- Produktkennung, Revision und Freigabestatus dokumentieren
Einführung in den Planungsablauf
Die Einführung sollte mit wenigen häufig verwendeten Produktgruppen beginnen, etwa Pumpen, Ventilen, Heizflächen oder Luftdurchlässen. Zunächst werden die benötigten Merkmale, Einheiten und Verantwortlichkeiten festgelegt. Danach folgt die Zuordnung zwischen VDI-3805-Merkmalen, Berechnungssoftware und BIM-Parametern. Ein Testdatensatz sollte mindestens einen vollständigen Weg von der Berechnung über die Auswahl bis zum Modellaustausch durchlaufen. Dabei sind auch Aktualisierung, Rückimport und der Umgang mit nicht verfügbaren Parametern zu prüfen.
Für jedes Projekt empfiehlt sich eine kompakte Datenmatrix. Sie benennt je Bauteilklasse den Parameter, die Einheit, die Quelle, den Bearbeitungsstatus und den Übergabezeitpunkt. Drei definierte Prüfstände sind häufig praktikabel: nach Entwurfsberechnung, vor Ausschreibung und nach Produktfreigabe. Die genaue Zahl ist projektabhängig. Vor Projektbeginn sind außerdem die aktuellen Ausgaben der einschlägigen VDI-3805-Blätter und der VDI-2552-Reihe zu prüfen. Nur so bleibt die Datenstruktur über Softwaregrenzen und Planungsphasen hinweg nachvollziehbar.
| Kennwert | Richtgröße | Einordnung |
|---|---|---|
| Hydraulischer Beispielbetriebspunkt | 6,0 m³/h bei 45 kPa | Berechnungsergebnis für eine beispielhafte Pumpenauswahl, kein allgemeiner Auslegungswert. |
| Beispielhafter Auswahlkorridor | ±5 % | Projektbezogene Prüfregel für Volumenstrom und Förderdruck, nicht normativ festgelegt. |
| Lufttechnischer Beispielbetriebspunkt | 8.000 m³/h bei 450 Pa | Zeigt die notwendige Verknüpfung von Volumenstrom und externer Druckerhöhung. |
| Temperaturangaben | 70/50 °C und 45/35 °C | Beispiel für eindeutig zu dokumentierende Primär- und Sekundärtemperaturen. |
| Empfohlene Prüfstände | 3 Übergabezeitpunkte | Nach Entwurfsberechnung, vor Ausschreibung und nach Produktfreigabe; projektabhängig. |
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen VDI 3805 und einem BIM-Objekt?
VDI 3805 beschreibt strukturierte technische Produktdaten, Merkmale, Geometrien und teilweise Rechenbeziehungen für definierte Produktgruppen. Ein BIM-Objekt benötigt darüber hinaus eine Klassifikation, räumliche Zuordnung, Systembeziehungen, Statusinformationen und ein vereinbartes Austauschformat. Ein VDI-3805-Datensatz kann daher Grundlage eines BIM-Objekts sein, ist aber nicht automatisch mit ihm gleichzusetzen.
Müssen in der Entwurfsplanung bereits Herstellerprodukte verwendet werden?
Nein. In der Entwurfsplanung sollten in der Regel herstellerneutrale Leistungsmerkmale verwendet werden, beispielsweise Volumenstrom, Druckverlust, Leistung, Temperaturpaar und Anschlussgröße. Konkrete Produktdaten werden erst dann ergänzt, wenn dies für Ausschreibung, Vergabe, Werkplanung oder Freigabe erforderlich ist. Dadurch bleiben Wettbewerb und technische Vergleichbarkeit erhalten.
Kann VDI 3805 direkt in IFC übertragen werden?
Eine automatische, verlustfreie Übertragung ist nicht grundsätzlich gegeben. Merkmale aus VDI 3805 müssen den passenden IFC-Klassen und Property Sets oder projektspezifischen Eigenschaften zugeordnet werden. Die Zuordnung sollte Einheiten, Datentypen, Bezeichnungen und Status berücksichtigen. Vor dem produktiven Einsatz ist ein Testexport mit anschließendem Rückimport und Parametervergleich erforderlich.
Welche Angaben müssen in AIA und BAP zu Produktdaten stehen?
Festzulegen sind die benötigten Bauteilklassen, Merkmale, Einheiten, Datenquellen, Verantwortlichkeiten und Austauschzeitpunkte. Zusätzlich sollten AIA und BAP Prüfregeln, zulässige Formate, Statuskennzeichnungen und den Umgang mit Revisionen beschreiben. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen berechneten Planungswerten, ausgeschriebenen Anforderungen, angebotenen Produkten und tatsächlich eingebauten Komponenten.
TGA Fachplaner für Ihr Projekt
Heizung, Sanitär und Lüftung nach HOAI LPH 1 bis 9, als DWG oder BIM-Modell.
Passende Planungsleistungen
Wir übernehmen die Fachplanung Sanitär, Heizung und Lüftung für Wohn- und Gewerbeimmobilien: Entwurfsplanung, Ausführungsplanung, Ausschreibung und Objektüberwachung.
Regelwerke zum Thema: VDI 3805, VDI 2552. Angaben sind fachliche Orientierungswerte und ersetzen keine objektbezogene Planung.
