Ratgeber · Heizung

Heizungsverteilung im Mehrfamilienhaus als Strangschema

Ein fachgerechtes Strangschema bildet Heizflächen, Rohrnetz, Volumenströme, Armaturen und Sicherheitseinrichtungen nachvollziehbar ab.

Heizungszentrale eines Mehrfamilienhauses mit Verteilern, Pumpen und Steigleitungen als technischer Bezug zum Strangschema der Heizung
8 min Lesezeit

Ein Strangschema der Heizung stellt den hydraulischen Aufbau einer Heizungsanlage geschossübergreifend dar. Es zeigt, wie Wärmeerzeuger, Verteiler, Steigstränge, Heizflächen, Pumpen und Armaturen miteinander verbunden sind. Im Mehrfamilienhaus dient es als Grundlage für Rohrnetzberechnung, Dimensionierung, hydraulischen Abgleich, Ausschreibung und Montage. Belastbar wird das Schema erst durch eindeutige Strangnummern, Auslegungsvolumenströme, Rohrdimensionen, Druckverluste sowie Angaben zu Regelung und Sicherheitseinrichtungen nach DIN EN 12828.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Strangschema bildet die hydraulische Funktion, nicht die maßstäbliche Leitungsführung ab.
  • Leistungen, Volumenströme und Rohrdimensionen müssen aus nachvollziehbaren Berechnungen stammen.
  • Sicherheitseinrichtungen und Druckhaltung sind nach DIN EN 12828 vollständig darzustellen.
  • Eindeutige Strangnummern und Einstellwerte verbinden Planung, Montage und Inbetriebnahme.
  • Das revidierte Schema ist eine wesentliche Grundlage für Betrieb und Fehlersuche.

Aufgabe und Abgrenzung des Strangschemas

Das Strangschema reduziert die räumliche Heizungsverteilung auf eine funktionale Darstellung. Geschosse, Nutzungseinheiten und Heizkreise werden übereinander angeordnet, während Vorlauf und Rücklauf eindeutig verfolgt werden können. Im Unterschied zum Grundriss zeigt das Schema nicht die maßstäbliche Leitungsführung. Es beantwortet vielmehr, welcher Verbraucher an welchem Strang angeschlossen ist, welche Leistung übertragen wird und welche Armaturen für Absperrung, Regelung, Entleerung, Entlüftung oder Messung vorgesehen sind.

Ein Strangschema Heizung ersetzt weder die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 noch die Rohrnetzberechnung. Die Ergebnisse dieser Berechnungen müssen jedoch konsistent in das Schema übernommen werden. Gleiches gilt für Anlagendruck, Auslegungstemperaturen und sicherheitstechnische Einrichtungen nach DIN EN 12828. Grundrisse, Schnitte und Regelschemata bleiben ergänzend erforderlich, weil Leitungslängen, Höhenlagen, Deckendurchführungen und konkrete Montagepositionen aus einem schematischen Bild allein nicht zuverlässig hervorgehen.

Geeignete Verteilkonzepte für Mehrfamilienhäuser

Im Neubau ist die Zweirohrverteilung mit getrenntem Vorlauf und Rücklauf der Regelfall. Jeder Heizkörper oder Heizkreis erhält Heizwasser mit annähernd gleicher Vorlauftemperatur. Vertikale Steigstränge versorgen mehrere Geschosse, während horizontale Etagenleitungen die Nutzungseinheiten erschließen. Bei Fußbodenheizungen werden zusätzlich Heizkreisverteiler mit Durchflussanzeigern, Stellantrieben und gegebenenfalls einer Temperaturregelstation dargestellt. Die Wahl zwischen zentraler und wohnungsweiser Verteilung beeinflusst Messkonzept, Leitungsführung und hydraulische Regelung.

Eine Tichelmann-Verteilung kann bei weitgehend gleichen Verbrauchern und vergleichbaren Anschlusswiderständen zweckmäßig sein. Dabei ist die Summe aus Vorlauf- und Rücklauflänge für jeden Anschluss annähernd gleich. Einrohrsysteme sind vor allem im Bestand anzutreffen. Dort verändert jeder Verbraucher die Temperatur und den verfügbaren Differenzdruck für nachfolgende Heizflächen. Solche Anlagen müssen im Schema ausdrücklich als Einrohrkreis mit Bypass, Ventiltyp und Fließrichtung gekennzeichnet werden; eine vereinfachte Darstellung als Zweirohrnetz wäre hydraulisch falsch.

Pflichtangaben für ein belastbares Schema

Jeder Strang benötigt eine eindeutige Kennzeichnung, die mit Grundrissen, Berechnung und Leistungsverzeichnis übereinstimmt. Anzugeben sind mindestens Systemtemperaturen, Heizleistungen, Auslegungsvolumenströme, Nennweiten oder Rohrabmessungen sowie die wesentlichen Armaturen. Bei mehreren Druckzonen oder unterschiedlichen Temperaturniveaus müssen die Systemgrenzen erkennbar sein. Auch die Lage von Pumpen, Wärmemengenzählern, Differenzdruckreglern, Schmutzabscheidern, Entlüftern, Entleerungen und Rückschlagarmaturen gehört in die Darstellung.

Für die Montage reichen reine Symbolketten ohne technische Daten nicht aus. Ventile sollten mit Typ, Nennweite, Voreinstellwert oder erforderlichem Durchflusskennwert bezeichnet werden. Pumpen benötigen mindestens Auslegungsvolumenstrom und erforderliche Förderhöhe. Bei Bestandsanlagen sind unbekannte Angaben als ungeklärt zu markieren, statt sie aus Erfahrungswerten zu übernehmen. Eine Legende erläutert Symbole, Abkürzungen, Rohrwerkstoffe und Bezugsstände; außerdem sollten Plannummer, Index und Berechnungsstand dokumentiert sein.

  • Strangnummer und versorgte Geschosse oder Nutzungseinheiten
  • Heizleistung und Auslegungsvolumenstrom je Teilstrecke
  • Rohrabmessung, Werkstoff und gegebenenfalls Dämmung
  • Armaturentyp, Nennweite und hydraulischer Einstellwert
  • Vorlauf- und Rücklauftemperatur des jeweiligen Systems
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Volumenströme und Rohrdimensionen ermitteln

Der Volumenstrom ergibt sich aus der zu übertragenden Heizleistung und der geplanten Temperaturspreizung. Für Wasser kann näherungsweise mit 0,86 Litern je Stunde und Watt geteilt durch die Spreizung in Kelvin gerechnet werden. Ein Strang mit 20 Kilowatt und 15 Kelvin benötigt damit rund 1.147 Liter pro Stunde. Die Teilvolumenströme werden vom entferntesten Verbraucher in Richtung Wärmeerzeuger addiert. Unbegründete Gleichzeitigkeitsabschläge sind bei der Auslegung für den Norm-Heizfall nicht anzusetzen.

Die Rohrdimension folgt nicht allein aus dem Volumenstrom. Zusätzlich sind Rohrlänge, Einzelwiderstände, verfügbare Pumpenförderhöhe, Geräuschrisiko und Regelautorität zu berücksichtigen. Als typische Planungsbereiche werden in Wohngebäuden etwa 50 bis 150 Pascal Druckverlust je Meter Rohr und Strömungsgeschwindigkeiten von ungefähr 0,2 bis 0,7 Metern pro Sekunde verwendet. Diese Werte sind keine starren Normgrenzen. Steigleitungen können abhängig von Schallanforderungen, Rohrwerkstoff und Betriebszustand auch abweichend dimensioniert werden.

Hydraulik und Sicherheit nach DIN EN 12828

DIN EN 12828 regelt die Planung von Warmwasser-Heizungsanlagen und enthält Anforderungen an Druckhaltung, Temperaturbegrenzung, Sicherheitseinrichtungen sowie Füll- und Entleerungsmöglichkeiten. Im Strangschema müssen deshalb unter anderem Membran-Ausdehnungsgefäß, Sicherheitsventil, Manometer und erforderliche Temperaturbegrenzer funktional zugeordnet sein. Ein Ansprechdruck von 3 bar ist bei kleineren geschlossenen Heizungsanlagen typisch, aber nicht allgemein verbindlich. Maßgebend sind der zulässige Betriebsdruck der Komponenten, die statische Höhe und das gewählte Druckhaltekonzept.

Der statische Druck entspricht näherungsweise 0,1 bar je Meter Höhenunterschied zwischen Druckhaltung und höchstem Anlagenpunkt. Für zehn Meter Anlagenhöhe ergeben sich somit etwa 1,0 bar statischer Druck. Der Fülldruck wird üblicherweise mit einem Zuschlag von ungefähr 0,3 bar angesetzt, muss jedoch zum Vordruck des Ausdehnungsgefäßes und zum zulässigen Enddruck passen. Automatische Nachspeisung, Systemtrennung und Aufbereitung des Füllwassers sind im Schema ebenfalls darzustellen; für die Wasserbeschaffenheit ist ergänzend VDI 2035 zu berücksichtigen.

Prüfung, Abgleich und Fortschreibung

Vor der Freigabe ist das Schema gegen Grundrisse, Heizlasten und Rohrnetzberechnung zu prüfen. Die Summe der Verbraucherleistungen muss mit den Strang- und Erzeugerleistungen übereinstimmen. Ebenso müssen Volumenströme an jeder Verzweigung bilanziert und Fließrichtungen kontrolliert werden. Kritisch sind fehlende Entlüftungsmöglichkeiten an Hochpunkten, nicht entleerbare Tiefpunkte, vertauschte Anschlüsse sowie Regelventile ohne ausreichenden Differenzdruck. Pumpenbetriebspunkte sollten innerhalb des vorgesehenen Regelbereichs liegen und nicht nur auf den theoretischen Spitzenlastfall abgestimmt sein.

Nach Montage und Einregulierung ist das Strangschema auf den tatsächlich ausgeführten Stand fortzuschreiben. Geänderte Rohrdimensionen, Ventiltypen, Pumpeneinstellungen und Strangreglerwerte gehören in die Revisionsunterlagen. DIN EN 14336 behandelt Installation und Abnahme wassergeführter Heizungsanlagen und bildet eine geeignete Grundlage für Spülung, Druckprüfung, Funktionsprüfung und Inbetriebnahme. Ohne dokumentierte Sollwerte bleiben spätere Betriebsoptimierungen, Fehlersuche und ein reproduzierbarer hydraulischer Abgleich unnötig aufwendig.

Kennwerte und Richtgrößen zum Thema Heizungsverteilung im Mehrfamilienhaus als Strangschema
KennwertRichtgrößeEinordnung
Volumenstromformel für Wasserca. 0,86 × Leistung in W ÷ Spreizung in KErgebnis in kg/h beziehungsweise näherungsweise l/h.
Typische Spreizung bei Heizkörpern10 bis 15 KProjektabhängig von Erzeuger, Heizflächen und Auslegungstemperaturen.
Typische Spreizung bei Flächenheizungen5 bis 10 KKleinere Spreizungen erhöhen den erforderlichen Volumenstrom.
Typischer Rohrdruckverlust50 bis 150 Pa/mPlanungsbereich, keine verbindliche Normgrenze.
Typische Strömungsgeschwindigkeit0,2 bis 0,7 m/sAbhängig von Rohrwerkstoff, Nennweite und Schallanforderungen.
Statischer Druckca. 0,1 bar je Meter AnlagenhöheGrundlage für Druckhaltung und Vordruckermittlung.

Häufige Fragen

Was muss ein Strangschema der Heizung enthalten?

Erforderlich sind Wärmeerzeuger, Pumpen, Verteiler, Vorlauf, Rücklauf, Steigstränge, Heizflächen und die wesentlichen Armaturen. Ergänzend gehören Leistungen, Volumenströme, Rohrdimensionen, Systemtemperaturen und hydraulische Einstellwerte in das Schema. Sicherheitseinrichtungen, Druckhaltung, Entlüftung, Entleerung sowie Messstellen müssen so dargestellt sein, dass Funktion und Fließrichtung eindeutig nachvollziehbar bleiben.

Wer erstellt das Strangschema für ein Mehrfamilienhaus?

Das Strangschema wird üblicherweise durch die Fachplanung der Technischen Gebäudeausrüstung erstellt. Grundlage sind Architekturpläne, Heizlastberechnung, Anlagenkonzept und Rohrnetzberechnung. Ausführende Unternehmen können Montage- oder Werkstattpläne ergänzen. Änderungen während der Ausführung müssen abgestimmt und anschließend in ein revidiertes Schema übernommen werden, das den tatsächlich eingebauten Anlagenstand dokumentiert.

Ist ein Heizungsstrangschema für den hydraulischen Abgleich ausreichend?

Nein. Das Schema zeigt den Anlagenaufbau und kann berechnete Volumenströme sowie Einstellwerte dokumentieren. Der hydraulische Abgleich erfordert zusätzlich Raumheizlasten, Heizflächendaten, Rohrlängen, Formstücke, Armaturenkennwerte und Pumpendaten. Erst mit einer Rohrnetzberechnung lassen sich Druckverluste, Ventilvoreinstellungen und erforderliche Differenzdrücke belastbar bestimmen.

Welche Rolle spielt DIN EN 12828 beim Strangschema?

DIN EN 12828 enthält Planungsanforderungen für Warmwasser-Heizungsanlagen, insbesondere zur Druckhaltung, Temperaturbegrenzung und sicherheitstechnischen Ausrüstung. Das Strangschema muss erkennen lassen, wie Ausdehnungsgefäß, Sicherheitsventil, Druckanzeige und weitere erforderliche Einrichtungen eingebunden sind. Die Norm legt jedoch nicht allein die grafische Gestaltung oder den vollständigen Detaillierungsgrad des Schemas fest.

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Regelwerke zum Thema: DIN EN 12828. Angaben sind fachliche Orientierungswerte und ersetzen keine objektbezogene Planung.

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