Was ist die Heizlast?
Die Norm-Heizlast nach DIN EN 12831-1 beschreibt die Wärmeleistung (in Watt), die ein Gebäude an einem kalten Auslegungstag am jeweiligen Standort braucht, um die geplante Innentemperatur zu halten. Sie ist das wichtigste Ergebnis vor jeder Systementscheidung — ohne belastbare Heizlast keine seriöse Auslegung von Wärmeerzeuger, Heizflächen oder Wärmepumpe.
Für ein durchschnittliches sanierungsbedürftiges Einfamilienhaus liegt die Heizlast zwischen 6 und 15 kW, im modernen Neubau (KfW 40) bei 3 bis 6 kW. Der Unterschied ist entscheidend: eine 12-kW-Wärmepumpe in ein Haus mit realer Heizlast von 6 kW einzubauen heißt teuer takten statt effizient heizen.
So läuft die Berechnung ab
Die Berechnung erfolgt raumweise: für jeden Raum werden Transmissions- und Lüftungswärmeverluste aufsummiert. Grundlage sind
- Bauteilaufbauten (U-Werte der Außenwand, Fenster, Dach, Bodenplatte)
- Geometrie (Fläche, Höhe, Anzahl Außenwände)
- Innentemperatur nach Nutzung (Wohnraum 20 °C, Bad 24 °C)
- Norm-Außentemperatur des Standorts (Berlin −12 °C, Alpenraum bis −16 °C)
- Luftwechsel und Infiltration
Aus der Summe der Raumheizlasten ergibt sich die Gebäudeheizlast — Grundlage für den Wärmeerzeuger. Die raumweise Berechnung ist gleichzeitig die Grundlage für die Heizflächenauslegung und den hydraulischen Abgleich nach Verfahren B.
Heizlast und Wärmepumpe
Wärmepumpen sind bei niedrigen Vorlauftemperaturen effizient. Deshalb prüfen wir mit der Heizlast, ob die vorhandenen (oder geplanten) Heizflächen bei der Norm-Vorlauftemperatur (typischerweise 35 – 55 °C) ausreichen. Ergebnis ist eine ehrliche Aussage:
- Vorlauftemperatur ≤ 45 °C → Wärmepumpe ideal, JAZ > 4 realistisch.
- Vorlauftemperatur 45 – 55 °C → Wärmepumpe wirtschaftlich, ggf. Heizflächentausch.
- Vorlauftemperatur > 60 °C → zunächst Heizkörper prüfen oder Hybridsystem.
Heizlast im Bestand
Für Bestandsgebäude ist die Heizlast das ehrlichste Werkzeug gegen Fehlinvestitionen. Häufig ist die tatsächliche Heizlast deutlich niedriger als der bestehende Kessel — Kessel wurden früher großzügig ausgelegt. Ein sauber berechneter Wärmepumpen-Ersatz rechnet sich dann fast immer, während der 1:1-Tausch alter Kessel Geld verbrennt.
Kosten und Nutzen
Eine normkonforme raumweise Heizlastberechnung kostet für ein Einfamilienhaus typischerweise 400 – 800 €, für ein Mehrfamilienhaus je nach Größe 1 500 – 4 000 €. Sie ist gleichzeitig Grundlage für den hydraulischen Abgleich Verfahren B, der für die BEG-Förderung (Wärmepumpe, Heizungsoptimierung) Pflicht ist. Wer den Abgleich nachträglich braucht, aber keine Heizlast hat, zahlt am Ende zweimal.
