Warum Trinkwasserhygiene entscheidend ist
Trinkwasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland — bis es das öffentliche Netz verlässt. Innerhalb des Gebäudes liegt die Verantwortung beim Eigentümer oder Betreiber. Zentrale Risiken sind Legionellen, andere Mikroorganismen und Schwermetalle aus alten Leitungen (Blei, Kupfer, verzinkter Stahl).
Grundlage der Planung sind DIN 1988-200 (Trinkwasser-Installationen), DIN EN 806 (europäische Regeln), DVGW W 551 (Warmwasser und Zirkulation), VDI 6023 (Hygienebewusste Planung und Betrieb) sowie die Trinkwasserverordnung (TrinkwV).
Temperaturen und Zirkulation
Legionellen vermehren sich zwischen 25 und 45 °C. Die entscheidende Regel:
- Kaltwasser: dauerhaft ≤ 25 °C.
- Warmwasser am Speicheraustritt: ≥ 60 °C.
- Warmwasser an jeder Zapfstelle: ≥ 55 °C.
- Zirkulationsleitung: max. 5 K unter Speicheraustritt.
Erreicht wird das durch eine hydraulisch abgeglichene Zirkulation mit thermostatischen Regulierventilen. Wichtig für die Praxis: Warmwasser-Speicher müssen täglich einmal auf 60 °C erreicht werden — bei Frischwasserstationen entfällt der Speicher, das Hygienerisiko wird bauartbedingt minimiert.
Stagnation vermeiden
Wasser, das länger als 72 Stunden in einer Leitung steht, ist hygienisch bedenklich. Deshalb planen wir:
- Ringleitungen statt Stichleitungen an ungünstigen Zapfstellen.
- Automatisierte Spülstationen in wenig genutzten Bereichen (Gäste-WCs, Ferienobjekte, Nebengebäude).
- Verbrauchsnahe Warmwasserbereitung (dezentrale Frischwasserstation).
- Klare, dokumentierte Spülkonzepte für Leerstandsphasen.
Trinkwasser im Bestand
In Bestandsgebäuden finden wir häufig verzinkte Stahlleitungen (typisch bis ca. 1970), die innen aufkorrodiert sind, oder Bleileitungen im Altbau. Beide sind zwingend auszutauschen: verzinkter Stahl wegen Braunwasserbildung und Zink-Auslaugung, Blei wegen der TrinkwV-Grenzwerte. Kupfer ist bei richtiger pH-Führung des Wassers unproblematisch, muss aber material- und dimensionsgerecht verarbeitet sein.
Bei Strangsanierungen im bewohnten Mehrfamilienhaus plant man strangweise: Bad und Küche einer Wohnung sind pro Bauabschnitt typischerweise 5 – 10 Werktage außer Betrieb.
Betreiberpflichten und Prüfungen
Bei zentraler Warmwasserbereitung mit > 400 l Speicher oder mehr als 3 l Volumen zwischen Speicher und entferntester Zapfstelle gilt eine Legionellenprüfpflicht nach TrinkwV § 14: alle 3 Jahre bei Mehrfamilienhäusern, jährlich bei öffentlichen Gebäuden. Kommt es zu einem Grenzwert-Überschreitung (100 KBE / 100 ml), sind Sofortmaßnahmen und ein Sanierungskonzept nötig. Als Planer unterstützen wir bei Ursachenanalyse und dauerhafter Sanierung.
